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Geschrieben von ALexikon

Was ist Chip-Tuning?

Chip-Tuning
Foto: pippocarlot/Shotshop.com

 

Ist das Steuergerät defekt, geht nichts mehr. Bei vielen Motoren lässt sich mittels einer Anpassung der Motorsteuerung, eine Leistungssteigerung erzielen. Und das geht sogar ganz ohne Austausch von Bauteilen. Dieser Prozess wird in der Umgangssprache auch als Chip-Tuning bezeichnet. Die Theorie, die sich dahinter verbirgt, ist einfach. Über diverse Sensoren überwacht die Motorsteuerung verschiedene Parameter wie Last, Temperatur etc. Anhand dieser Sensor-Daten wird das Steuergerät z. B. den Zündwinkel, Ladedruck oder die Kraftstoffeinspritzung an das Fahrverhalten entsprechend angepasst. Auf den Punkt gebracht: Das Steuergerät ist dazu da, um für ein optimales Fahrverhalten unter den aktuell gegebenen Bedingungen zu sorgen und die Abgasnormen einzuhalten. Wie das Steuergerät in verschiedenen Situationen reagiert, wird vom Fahrzeughersteller in den Motorkennfeldern festgelegt. Mit dem Chip-Tuning-Prozess wird in dieses Verhalten eingegriffen. Entweder werden dem Steuergerät dann falsche Daten übermittelt oder die Kennfelder selbst werden verändert.

 

Gut zu wissen: Das Fahrzeug per Chip-Tuning schneller zu machen, ist schnell erledigt. Genauso schnell kann das Fahrzeug beim Hersteller aber auch mit einem Software-Update wieder zurückgesetzt werden.

 

Welche Methoden gibt es beim Chip-Tuning?

  • OBD2
  • BDM
  • Löten
  • Tuning-Box

 

OBD2:

Alle Fahrzeuge, die nach dem Jahr 2000 zugelassen wurden, verfügen normalerweise über eine normierte OBD2-Schnittstelle für eine Fahrzeugdiagnose. Bei manchen Fahrzeugen erlaubt es diese Schnittstelle, die Software des Motorsteuergeräts zu überschreiben oder auszulesen.

 

BDM

Bei Autos, die ein Software-Schreiben über OBD2 verweigern, muss zunächst einmal das Steuergerät entnommen werden. Mittels eines Adapters (z. B. BDM-Port) kann dann das Steuergerät direkt angesprochen werden. Auch die Hersteller nutzen diese Schnittstelle, um die Software auf das entsprechende Steuergerät zu schreiben. Natürlich wollen die Hersteller den Zugriff auf das Steuergerät erschweren, deshalb werden die Platinen oftmals verschraubt oder verklebt. Wenn dies der Fall ist, ist viel Fingerspitzengefühl und Wissen gefragt, damit man das Steuergerät nicht komplett zerstört.

 

Löten:

Diese Methode kommt meistens bei älteren Autos zum Einsatz, bei denen noch kein Prozessor vorhanden ist. Die Chips, die sich auf dem Steuergerät befinden, werden zunächst ausgelötet und sodann mit einem besonderen Tool überschrieben. Danach kann der Chip wieder eingebaut werden. Als Alternative könnte auch ein komplett neuer Chip eingebaut werden. Daher rührt nämlich auch die Bezeichnung „Chip-Tuning“.

 

Tuning-Box:

Bei der Tuning-Box handelt es sich um ein Modul, das man zwischen Motorsteuergerät und Sensoren schaltet. Dieses Tool besitzt die Möglichkeit, Messdaten der Sensoren zu ändern oder dem Steuergerät andere Werte vorzugaukeln. So besteht die Möglichkeit, dass entweder der Ladedruck erhöht oder mehr Kraftstoff eingespritzt wird.

 

Was bringt Chip-Tuning?

Das Chip-Tuning sorgt für mehr Leistung am Steuergerät. Sogar ohne Umbauarbeiten am Motor können allein über die Software schon bis zu 50 PS mehr herausgeholt werden. So ganz risikofrei ist das Ganze allerdings nicht.

 

Risiken von Chip-Tuning

Folgende Risiken können bei einem Chip-Tuning entstehen:

  • Erhöhte Temperaturen, Turbolader-Drehzahlen und Einspritzdrücke können zu Schäden führen.
  • Steuergeräte können nicht richtig funktionieren, da das neue Chip-Tuning-Kennfeld nicht läuft.
  • Abgaswerte können sich verschlechtern (z. B. „Rußen“ bei Diesel-Motoren).
  • Die Belastung des Antriebsstranges (Getriebe, Kupplung, Reifen, Antriebswellen), der Bremsanlage und des Fahrwerks steigen. Hier könnten unter Umständen Umbauten und/oder Reifen mit einem höheren Geschwindigkeitsindex erforderlich werden.
  • Ist das Tuning nicht in die Fahrzeugpapiere eingetragen oder wurde das Tuning der Versicherung nicht gemeldet, kann der Versicherungsschutz hinfällig werden!
  • Ein Käufer, der einen Chip-getunten Gebrauchtwagen besitzt und nichts von einem Chip-Tuning weiß bzw. das Tuning auch nicht in den Fahrzeugpapieren eingetragen ist, fährt ohne Betriebsgenehmigung.
  • Ist man Besitzer eines getunten Autos, muss man damit rechnen, die Hersteller-Garantie oder –Gewährleistung zu verlieren!
  • Wenn ein Auto verkauft wird, das einmal Chip-getunt war, kann das Fahrzeug einen wesentlich höheren Verschleiß aufweisen, als man anhand der Laufleistung erwarten würde. Auch für Experten ist kaum erkennbar, ob ein Chip-Tuning vorlag oder nicht, sollte das Chip-Tuning nicht genannt worden sein.

 

Ist Chip-Tuning schädlich?

Eindeutig: ja, wenn man nicht weiß, was man macht! Die Leistungssteigerung wird normalerweise durch mehr Luft und Benzin herbeigeführt. Hierbei steigt auch automatisch der Verschleiß im Motor ebenso wie die Belastung. Das hat Auswirkungen auf die Lebensdauer. Wobei ein erhöhter Verschleiß noch den Optimalfall bildet.

Es kommt nicht selten vor, dass verschiedene Bauteile des Antriebsstrangs oder des Motors den dauerhaft hohen Belastungen nicht standhalten können. Der Turbolader z. B. besitzt nicht genügend ausgelegte Schaufelräder, um mehr Luft durch höhere Drehzahl zu bekommen. Auch die zusätzlich benötigte Spritmenge muss irgendwie durch die Einspritzdüsen gedrückt werden. Dies kann man nur durch Erweiterung der Einspritzdauer erzielen. In den meisten Fällen wird dann sogar noch auf den schon abwärts sausenden Kolben gespritzt. Dieser kann dann überhitzen und unverbrannter Sprit gelangt außerdem in den Rußfilter.

Auch die Katalysatoren bei Benzinmotoren können bei solch hohen Temperaturen in Mitleidenschaft gezogen werden. Die Kraftübertragung kann leiden. Auch das Zweimassenschwungrad, welches explizit auf das herkömmliche Drehmoment ausgelegt ist, leidet. Erhöhte Zugkraft lässt die Dämpfungsfedern darin bis zum Ultimo zusammenquetschen. Im schlimmsten Fall kann das Schwungrad platzen. Getriebe und Kupplung sind ebenso mit den höheren Leistungen überfordert.

Aber auch wenn diese Schäden alle ausbleiben, liegt ja ein Fakt definitiv vor. Ein Motor, der mehr Dampf hat, möchte ja auch entsprechend gefahren werden. Allein das lässt den Verschleiß im Motor steigen.

 

Fahrzeug-Hersteller-Garantie und Garantie des Chiptuners

Das Chip-Tuning sollte unbedingt von einem Profi vorgenommen werden. Wer mit einer softwarebasierten Leistungssteigerung mehr PS aus seinem Fahrzeug herausholen will, sollte sich unbedingt an einen Profi wenden. Dann kann man sich nämlich sicher sein, auch eine ausgereifte Software, die exklusiv auf den Wagen zugeschnitten ist, zu bekommen. Das ist enorm wichtig, um Schäden vorzubeugen. Außerdem kann ein Profi auch direkt beurteilen, ob sich ein Chip-Tuning bei dem jeweiligen Fahrzeug lohnt und überhaupt möglich ist. Ein weiterer Pluspunkt: Wird das Tuning bei seriösen Betrieben vollzogen, erhält man sogar noch eine Garantie darauf. So ist man bei Schadensvorfällen bis zu einer bestimmten Grenze abgesichert.

Einige Anbieter bieten nämlich eine Garantie auf Chip-Tuning und auch zum Teil auf Fahrwerk und Antriebsstrang an. Im Schadensfall ist jedoch meist nur schwer zu beweisen, was nun tatsächlich den Defekt ausgelöst hat. Hier haben es sogar Sachverständigen-Gutachter schwer. Deshalb bleibt man als Fahrzeugbesitzer dann auch oft auf den Reparaturkosten sitzen.

 

Kosten von Chip-Tuning

Vor allem kommt es darauf an, auf welcher Art und Weise ein Fahrzeug getunt wird. Beispielsweise ist eine Tuning-Box schon ab 20 Euro erhältlich. Diese Tuning-Boxen haben aber zumeist gar keine Zulassung und sind auch nicht genau auf den jeweiligen Motor abgestimmt. Die teureren Varianten kosten hingegen schon 300 Euro. Für dieses Geld bekommt man dann aber auch Tuning-Boxen, die exakt auf den Motor abgestimmt sind. Vertrauenswürdige Fabrikanten von Tuning-Boxen erteilen sogar eine Garantie bzgl. des Motors.

Für ein individuelles Chip-Tuning vom Profi werden je nach Motor ungefähr zwischen 500 und 1.000 Euro fällig.

 

Eine Beispielrechnung:

Ein Chip-Tuning beim Profi für einen VW Golf (1.4 TSI mit 122 PS) kostet um die 590 Euro. Gewonnen werden durch die Leistungssteigerung 18 PS und 36 Nm. Bei einem Audi A4 B8 (2.0 TDI mit 150 PS) fallen 790 Euro an. Hinzugewonnen hat der Audi dann 46 PS und 74 Nm.

 

Wie läuft das mit der Kfz-Versicherung?

Sicherlich kommt beim Chip-Tuning die Frage auf, ob man das Tuning der Versicherung melden muss oder nicht. Die Antwort ist: ja! Eine Mehrleistung muss in den Fahrzeugpapieren hinterlegt werden und auch der jeweiligen Kfz-Versicherung angezeigt werden. Es kann passieren, dass der Tarif dadurch etwas ansteigt, da sich der Versicherungsbeitrag u. a. auch an der Motorleistung – die nach dem Tuning gestiegen ist – orientiert. Sollte der Versicherung das Tuning vorenthalten worden sein, sind in einem etwaigen Schadensfall Konflikte mit dem Versicherer vorprogrammiert.

 

weiterführende Links:

Ist Chip-Tuning schädlich?

Leistungssteigerung durch Chip-Tuning

Versicherung informieren

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